Fast andächtig ist unsere Stimmung an dem heutigen Tag – unsere letzte Etappe steht uns bevor. Die Beine haben sich inzwischen an die tägliche Belastung gewöhnt und kleinere Druckstellen werden bereits mit einer gewissen Routine abgeklebt. Wir treten gemeinsam vor die Ravensburger Hütte und genießen die bereits strahlende Sonne. Motiviert bestreiten wir den leichten Anstieg in Richtung Stierlochjoch und bemerken sofort, dass es heute wärmer ist als die Tage zuvor.

Wir lassen uns nicht hetzen auf unserer letzten Route. Die Anstiege sind überschaubar und kurz und die Passage hinauf zum Madlochjoch ist eigentlich die einzig erwähnenswerte Steigung. Die Kühe grasen in der spätsommerlichen Hitze hier oben. Die Luft steht und zu Mittag wird die Sicht schon diesig. Am Madlochjoch angekommen gönnen wir uns eine längere Mittagspause und genießen unsere Jause, die auf 2438m Höhe besonders gut schmeckt.

Beim Blick vom Gipfel entdecken wir den Zürser See der unter uns schimmert. Nur die Liftanlagen stören den ansonsten so idyllischen Anblick. Wir beenden unsere Rast und machen uns wieder auf den Weg. Gerade noch von oben betrachtet stehen wir nach einer guten Stunde schon am Ufer des Zürser Sees. Ein kleiner Steg am östlichen Ende des Bergsees weckt sofort den Wunsch in uns ins kühle Nass zu springen. Es reichen ein paar Blicke um zu wissen, dass wir uns alle einig sind und wir für den restlichen Tag hier verweilen.

Das Wasser ist erwartungsgemäß frisch, aber nach fünf Tagen auf dem Höhenweg gibt es vielleicht nichts vergleichbar Herrliches als in diesen See einzutauchen. Wir legen uns auf die warmen Holzplanken und verweilen dort auch noch als wir längst von der Sonne wieder trocken und gewärmt sind. Wir haben Zeit: Zürs ist gerade mal eine Stunde entfernt, die Hotelzimmer schon reserviert und eine Stirnlampe wäre im Rucksack. Diese brauchen wir dann doch nicht, denn die Aussicht auf ein herrlich großzügiges Abendessen im Tal lässt uns früh genug aufbrechen.

Der Abend dauert erwartungsgemäß länger. Wir sind selig und stolz auf unsere gemeisterte Wanderung durch das Lechquellengebiet und wollen die gewonnen Eindrücke nochmals in gemütlicher Runde wirken lassen. Bevor wir uns in unsere Zimmer zurückziehen beschließen wir spontan morgen noch eine Wanderung zur Stuttgarter Hütte anzuhängen und damit unsere Expedition gebührend zu beenden.

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